Gestalterisches Arbeiten gleicht einem Gespräch, einer Art Selbstgespräch an Hand eines Materials. Während dieser Arbeit erlebe ich mich als Akteur wie als Zuhörer. Ich wirke auf ein entsprechendes Medium gestaltend ein und es wirkt als Gestaltetes auf mich zurück. Der erste Gestaltungsschritt bringt unsere Kommunikation in Gang. Weitere Schritte folgen. Ein intensiver Austausch nimmt seinen Lauf, kann erfahrbare Realität eines Künstlerischen Dialogs werden.
Etwas vage würde ich diese intensive Berührung als glücklichen Zeitpunkt eines umfassenden wie grenzenlosen Erkennens umschreiben. So wenig ich sie dabei zu beschreiben vermag, so ausschlaggebend verantwortlich zeichnet diese Berührung in meinen Augen für die Stimmigkeit künstlerischer Äußerung, ob es, das Kunstwerk, stimmt. Weniger die wahrnehmbaren semiotischen Strukturen eines gegebenen Kunstwerks, um welche Kunstform auch immer es sich handeln mag, bestimmen dessen Kunst-Sein, sondern der jeweilige Grad schöpferischen Innewerdens, die schöpferische Teilhabe. Das spricht nicht gegen die Bedeutung formaler Aspekte im Kontext verwendeter gestalterischer Mittel, sondern weist nur auf ihr notwendiges, weil Kunst realisierendes Verhältnis zum Schöpferischen hin. Das formale Erscheinungsbild ist Mittler, nicht Selbstzweck.
Alles Zufall könnte man sagen. Und das ist richtig, sofern man den Begriff Zufall im Sinne von zufallend meint. Zufall so verstanden und erlebt, hat nichts mit Zufälligkeit zu tun. Er mag sich zufällig einstellen, aber er ist und bleibt ZUFALL. Im Künstlerischen Dialog, wenn das Künstlerische Eingang findet ins Werk, fallen Zufall und Einfall in eins. Ich habe dabei die intensive Empfindung, dass mein Einfall mir zufällt, sich mir nähert, bzw., dass das, was sich mir zufallend nähert, eigentlich mein Einfall ist. Eine höchst komplexe Situation mit komplexen Folgen. In einem Buch mit Äusserungen Pablo Picasso's zum Thema Kunst habe ich folgendes gefunden:
“Etwas Geheiligtes, darum geht’s. Man müsste ein Wort dieser Art gebrauchen können, aber es würde schief aufgefaßt, in einem Sinn, den es nicht hat. Man müsste sagen können, daß ein bestimmtes Bild so ist, wie es ist, mit seinem Gehalt an Kraft, weil es ‘von Gott berührt’ ist. Aber die Leute nähmen es krumm. Und doch kommt es der Wahrheit am nächsten ...” (Picasso, “Über Kunst”, Diogenes Verlag Zürich 1982, S. 20, zit. aus Hélène Parmelin, “Picasso dit ...”, Paris 1966)
aus Achs FisGhal „Ästhetische Praxis und Künstlerischer Dialog“ 04.06.2011